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Beim
Theatersport gibt es die verschiedensten Disziplinen (Spiele),
in denen die beiden Teams von Spielern gegeneinander antreten.
Es gibt
leichte Disziplinen für Anfänger (wie z.B. die Armreden-Diskussion,
siehe Foto links), die man schnell lernen kann, mittelschwere
Spiele für Spieler mit Vorerfahrungen und komplexe Spiele für
sehr Fortgeschrittene (wie z.B. Drehbuch/ Schreibmaschine), für
die man viel Erfahrung und viele Grundlagen braucht. Einige Spiele
werden häufig und von vielen Gruppen gespielt, andere sind
nur wenigen Spielern bekannt oder schlicht unbeliebt.
Immer wieder kommen neue Disziplinen hinzu, weil weltweit Theatersport-Gruppen
neue Ideen entwickeln. Viele neue Spiele sind allerdings Varianten
oder Abwandlungen von bekannten Disziplinen. In den beiden
Büchern von Keith
Johnstone, dem Erfinder von Theatersport, findet man die meisten
Improtheater-Spiele, dort in der Regel auch mit einer ausführlichen
Beschreibung. In anderen Büchern findet
man weitere Disziplinen, die dort aber leider manchmal unvollständig
oder sogar irreführend beschrieben sind.
Johnstone weist darauf hin, daß jedes Spiel (und
jede Improtheater-Übung) einen Grund hat, indem sie bestimmte
Fähigkeiten trainieren soll, die beim Improtheater wichtig sind.
Er sagt: "Spiele sind ein Ausdruck für Theorien" (Theaterspiele,
Seite 24). Wenn man z.B. die Theorie aufstellt, daß
es beim Improtheater wichtig sei, im Moment zu handeln und zu reagieren,
ohne gleichzeitig voraus zu planen (was die Spontaneität stört),
dann müsse man ein Spiel erfinden, das verhindert, daß ein
Spieler zu sehr vorausplanen kann, wie z.B. die "Ein-Wort-Geschichte"
oder das "Ein-Wort-Abenteuer". Keith weiter: "Wir
müssen
wissen, warum die Spiele existieren, oder sie werden mißbraucht.
(...) Ich habe jedoch Lehrer kennengelernt, die kein Interesse an
der Theorie haben, oder daran, den Zweck jeden Spiels zu kennen.
(...) Ich habe sie sogar sagen hören: Alles worauf es ankommt,
ist, daß du sie am Lachen
hälst.' " (Seite 24).
Johnstone formuliert dann acht (in meinen Augen sehr wichtige und
wertvolle) Theorien und sagt, daß die meisten Spiele in seinen
Büchern
daraus entstanden sind. Natürlich ist Johnstone in erster Linie
ein Praktiker (und ausgezeichneter Lehrer, den ich selber bereits
drei Mal als Kursteilnehmer erleben durfte) aber ich teile seinen
Eindruck, daß es Improspieler gibt, denen der Sinn von Spielen,
die sie bei Auftritten verwenden, unklar ist. Ein guter Improtrainer
vermittelt den Spielern deshalb nicht nur die Regeln für die
Disziplinen sondern auch den Sinn und den Grund für jedes Spiel.
Und er achtet darauf, daß das Spiel nicht nur "einfach
so" gespielt wird,
sondern daß die Spieler - neben dem Spaß, den viele Spiele
machen - dabei auch immer etwas Neues lernen und eine Grundlage bilden
für spätere, komplexere Spiele.
Es ist wichtig, ein Konzept zu haben, welche Disziplinen
wann gelernt werden sollten, d.h. welche Spiele für den Anfänger
geeignet und sinnvoll sind und in welcher Reihenfolge die Spiele
trainiert werden sollten, damit eins auf dem anderen aufbauen kann.
Johnstone unterteilt die verschiedenen Spiele
grob in Erzählspiele, Korrekturspiele und Füllerspiele (d.h.
Disziplinen, die bei Auftritten die Lücke zwischen den Erzählspielen
füllen
sollen, aber selber eher keine Geschichte erzählen). Keith dazu:
Gute Füllerspiele "tragen
zur Abwechslung bei und inspirieren die Spieler. Aber eine ganze
Reihe von Füllern
nacheinander können unerträglich sein." (Theaterspiele,
Seite 311) Er meint auch: "Alle Spiele liegen in dem Spektrum
zwischen reinem Füller und reinem Erzählspiel, und die
meisten können in
die eine oder andere Richtung gelenkt werden. (...) Es ist schwierig,
Anfänger davon zu überzeugen, daß ein komplexes
narratives [= eine Geschichte erzählendes] Spiel wertvoller
ist als ein Füllerspiel,
bei dem immer gelacht wird."
Ein
guter Improtrainer solle seinen Spielern immer auch zeigen, wie
man ein guter Geschichten-Erfinder wird, d.h. wie es möglich ist,
gemeinsam aus dem Nichts spannende, interessante, sinnvolle und
berührende Geschichten zu erfinden und zu spielen, anstatt nur
"simpler Komiker" zu sein.
Im Folgenden eine Liste von
Auftritts-Disziplinen,
die ich schon sehr lange unterrichte und von daher empfehlen kann.
Ich trainiere sie in den Theatersport-Kursen,
die ich in Freiburg anbiete oder in den Workshops für
Anfänger und Fortgeschrittene, die ich auch überregional leite.
Die meisten Spiele habe ich bei guten und erfahrenen Improtrainern
kennen gelernt - neben Johnstone z.B. Doug Nunn (USA), Shawn Kinley
(Kanada), Brian Lohmann (USA), Roland Trescher (München),
den Crumbs (Kanada), Andre Besseling (Holland) und Harry Hawaii
(Berlin).
Viele stammen aus
den Büchern von Johnstone und
anderen Autoren und ein paar habe ich in meiner eigenen Improtheater-Gruppe
und in meinen Kursen entwickelt. Johnstone: "Sich ein
Improvisationsspiel ganz von vorn auszudenken ist fast unmöglich:
das Beste, was man machen kann, ist, bereits bestehende Spiele
zu bearbeiten."
Leider werden viele Disziplinen sehr unterschiedlich bezeichnet.
Was in Freiburg in der Regel "Zappen" genannt wird, heißt woanders
manchmal "Wachsen und Schrumpfen" und manchmal "Space-Jump". Dazu
kommt, daß selbst bei gleicher Bezeichnung verschiedene Gruppen das
gleiche Spiel mit sehr unterschiedlichen Regeln spielen. Bei Theatersport-Matches
mit Gastgruppen aus anderen Städten kommt es dadurch oft zu
Mißverständnissen und Reibungen, weshalb es sich empfiehlt, sich
vorher möglichst ausführlich über die genauen Spielregeln auszutauschen
und zu einigen!
Zur
besseren Übersicht habe ich die Disziplinen in Kategorien eingeteilt,
wobei manche Spiele natürlich
in verschiedene Kategorien passen würden. Die
Bezeichnungen sind meistens so wie ich sie von den Trainern oder
aus Büchern kennen gelernt habe, z.T. sind es auch eigene Namen,
die mir sinnvoller oder passender erschienen sind.
Für einen guten und abwechslungsreichen Auftritt sollte man Disziplinen
aus mindestens 4-5 verschiedenen Kategorien wählen.
Kurze Szenen/ schnelle Wechsel
- Marathon/ Freeze
- Marathon mit Requisit
- Zappen
- Reigen
- Drehtür
Strukturspiele:
- Alphabetspiel
- Reimen (Ping-Pong)
- Reimen (frei)
- Ein-Wort-Sätze
Freie Impros:
- Kleine Stimme
- Freie Improvisation
Mit Sidecoach:
- Neue Wahl
- Drehbuch/ Schreibmaschine
Replays:
- Genre Replay
- Musik Replay
Experten/ Vorträge:
- Armrede
- Armredendiskussion
- Experte
- Diavortrag
Synchronisation:
- Synchronisation
- Doublespeech
Erzählen:
- Ein-Wort-Geschichte
- Ein Wort-Abenteuer
- Jaa-Abenteuer
- Erzählchor
- Stimme aus dem Jenseits
Musikdisziplinen:
- Maschine
- Chorus Line
- Chor/ Dirigent
- Gemeinsames Lied
- Echo-Erzählchor
- Das klingt nach einem Lied
- A Cappella
- Grand Prix d’Eurovision
- CD Sampler
- Boulevard Broadway
Gefühlsspiele:
- Gefühlsachterbahn
- Gefühls-Casting
- Es ist Dienstag
Sonstige:
- Hackordnung
- Gedicht-Übersetzung
- Kampf um Tiefstatus
- Orakel
- Fünf-Satz-Szene
- Traumtag
Ratespiele:
- Grammolo-Raten
- Armreden-Erfindung
Neben den Auftritts-Disziplinen gibt es noch eine Fülle von Spielen
und Übungen, die bestimmte Fähigkeiten der Spieler trainieren,
ohne daß man sie vor Publikum aufführen kann oder möchte. Einige
Spiele bereiten auf spezielle Auftritts-Disziplinen vor, bei anderen
lernt man Grundlagen, die in jeder Disziplin wichtig sind. Diese
Übungen sind hier nicht aufgeführt. Ich verweise dazu auf die Literatur speziell die Bücher von Johnstone.
Allerdings kann kein Buch einen guten Improtrainer ersetzen. Improvisationstheater
kann man nur durch Ausprobieren lernen - und durch ein gezieltes
und kompetentes Feedback.
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